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20.03.2025

Meeresspiegelanstieg: Neue Studie ermittelt Ausmaß und Geschwindigkeit nach der letzten Eiszeit

Nach der letzten Eiszeit vor rund 11 700 Jahren führte die globale Erwärmung zum Abschmelzen riesiger Eisschilde in Nordamerika und Europa – mit starkem Einfluss auf den Meeresspiegel. Ein internationales Forschungsteam, darunter Forschende des LIAG-Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus Deutschland, veröffentlichte nun eine Studie in der Fachzeitschrift „Nature”. Sie zeigt: Im frühen Holozän stieg der Meeresspiegel in zwei Phasen um über einen Meter pro Jahrhundert, global um bis zu 37,7 Meter in 8000 Jahren. Die Ergebnisse liefern wichtige Vergleichswerte für zukünftige Entwicklungen durch die zunehmende Erderwärmung.

Durch den Meeresanstieg im frühen Holozän verschwand das Doggerland, die Brücke zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland. 
Quelle: BGR / Archivbild Durch den Meeresanstieg im frühen Holozän verschwand das Doggerland, die Brücke zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland. Quelle: BGR / Archivbild

Bisher waren die Geschwindigkeit und das Ausmaß des Meeresspiegelanstiegs während des frühen Holozäns nur unzureichend bekannt.
Es mangelte an soliden geologischen Daten aus dem Zeitraum. Die Forschenden analysierten in ihrer Studie einen einzigartigen Datensatz aus dem Gebiet, das einst das sogenannte Doggerland war – eine versunkene Landbrücke zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland. Mit dem Meeresspiegelanstieg wurde das Gebiet überflutet.

Einzigartiger Datensatz aus der Nordseeregion – zeitliche Einordnung am LIAG

Die Grundlage für die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse bildeten Daten unterschiedlicher Torflagen, die unter anderem aus der Deutschen Bucht durch Ausfahrten mit der BGR stammen. Die Datierung und damit die zeitliche Einordnung der Sedimente war die Basis für die Modellierung und wurde unter anderem am Geochronologie-Labor des LIAG durchgeführt. Die Radiokarbondatierung, auch als 14-C-Methode bekannt, basiert auf der Bestimmung des radioaktiven Isotops 14C, welches mit einer Halbwertzeit von 5730 Jahren zerfällt. Dieses Isotop wird in den oberen Atmosphärenschichten gebildet und von allen Lebewesen und den Ozeanen aufgenommen. Durch die Datierung und Analyse der Torfschichten sowie die Anwendung von Modellierungsverfahren konnten die Forschenden schließlich zeigen, dass der globale Meeresspiegelanstieg während zweier Phasen im frühen Holozän kurzzeitig einen Höchststand von mehr als einem Meter pro Jahrhundert erreichte. Sie kamen auch zu dem Schluss, dass der globale Meeresspiegel zwischen vor 11 000 und 3 000 Jahren um bis zu 37,7 Meter anstieg.

Die Ergebnisse aus der Analyse der Sedimente liefern erstmalig genaue Daten aus dem versunkenen Doggerland und damit wichtige Erkenntnisse aus dem Zusammenspiel zwischen Klima, Eisschmelze und Meeresspiegelanstieg“, erklärt Prof. Dr. Manfred Frechen, Co-Autor und Leiter der Messungen im Geochronologie-Labor am LIAG für die Studie. „Diese Vergleichswerte können als Grundlage unterstützen, um sich auf die zukünftigen Veränderungen durch die anthropogen bedingte Erderwärmung und in dessen Folge den Meeresspiegelanstieg vorzubereiten.”

Lesen Sie den gesamten Artikel auf der Seite des LIAG-Institut für Angewandte Geophysik

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